Arbeitslosigkeit und materielle Not durch Covid - 19

Unsere Sorgen in der Zeit des Wandels


Das Jahr 2020 stellt viele von uns vor besonders schwierige Herausforderungen.

Covid– 19 greift nicht nur unsere Lunge an, sondern vor allem unsere Psyche. Zwar waren viele Menschen die ersten Wochen nach der Bekanntgabe der Einschränkungen noch positiv eingestellt, verbrachten ihre Zeit mit der Familie, mehr Sport, nahmen sich Zeit für den Garten oder backten zum ersten mal ihr eigenes Brot, sehen wir uns doch konfrontiert mit der Realität. Sorgen und Ängste vor der Zukunft und materieller Sicherheit machen sich breit. Ein großer Anteil der Bevölkerung konnte selbst die ersten Wochen nicht einfach mal nur ein „bisschen runterfahren“, sondern waren schon nach wenigen Tagen in materieller Not. Besonders hart betroffen sind Menschen die schon vor Covid-19 und den dadurch auferlegten Beschränkungen nicht genug, oder gar keine Rücklagen hatten, hier dann auch wieder besonders diejenigen, die durch ihre materielle Not psychisch erkrankt sind. Das Royal College of Psychiatry* (Großbritanniens wichtigste Psychiater Organisation) schlägt auf Grund überlaufener psychischer Beratungsstellen schon Alarm. Schaut man auf die Zahlen des Census Bureau* der Vereinigten Staaten – so etwas wie das Statistische Bundesamt – wird dort inzwischen ein Drittel aller US – Amerikaner für depressiv oder angstgestört eingestuft. Auch in Deutschland steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen auf Grund von Covid–19. Es ist jedoch fraglich, ob es sich hierbei um eine psychische Störung handelt oder um eine soziale und ökonomische Krise. Dies lässt sich besonders gut an der Statistik des Census Bureau erkennen. Den von den Teilnehmern der Umfrage mit einem Jahreseinkommen von über 150.000 Dollar, berichten nur 6% von unkontrollierbaren Sorgen. Aber was passiert eigentlich in unserer Innenwelt, auf Grund der Pandemie – Maßnahmen? Was passiert in uns, wenn wir unseren Job verlieren? Der gewohnte Alltag sich von heute auf morgen verändert und man nicht weiß wie es weitergeht?

Wandel und Veränderung


Jeder Augenblick in unserem Leben ist von Wandel und Veränderung geprägt. Außerhalb von, und in uns. Eigentlich sollten wir doch damit Leben können, jeden Moment so zu nehmen wie er ist. Dies Bedarf aber eine regelmäßige Schulung unseres Geistes und das Verstehen unseres Wesenskerns. Auch das Wissen von guten Coaching – Methoden wie z. Bsp. The Work, Techniken der NLP oder REV (Rational – Emotiv Verhaltenstherapie) sind hilfreich. Sind wir aber erst mal in ein tiefes Loch gefallen, fällt es uns schwer diese Ressourcen abzurufen – insofern sie schon vorhanden waren. Wesentlich leichter ist es, auf nicht hilfreiche Mittel zuzugreifen. Alles was den Zustand der Veränderung und des offensichtliche Wandels verschleiert und Sorgen und Ängste vor der ungewissen Zukunft für einen Moment ausblendet. Alkohol, leichte und starke Drogen, aber auch nicht kontrollierter Konsum von Streaming – Diensten, Fernsehen, Social Media, Süßigkeiten, usw.. All diese Mittel zur kurzzeitigen „Beruhigung“ unseres verängstigten Geistes haben jedoch ihre unterschiedlich starken Nebenwirkungen und helfen in keinster Weise unser eigentliches Problem zu lösen.

Die Neigung zur Identifikation mit Tätigkeiten


„Ich bin Arzt.“

„Ich bin Geschäftsführer in einem Autohaus.“

„Ich bin Psychologischer Berater.“

„Ich bin Rentner.“

„Ich bin....“


Wir alle, zumindest die meisten, neigen zur Identifikation mit unserer Tätigkeit. Wer kennt es nicht, dass man schon als Kind gefragt wird, was man denn einmal später werden möchte. Je mehr man sich mit seiner Tätigkeit identifiziert, um so schwerer fällt es einem sich bei Verlust der Arbeit, mit dem neuen, ungewollten Zustand abzufinden. Ist man vorher in einer gehobenen Position gewesen, kann dies für den Betroffenen besonders schwierig sein. Er verliert nicht nur seine Arbeit, sondern auch die Möglichkeit Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen. Engagierte Mitarbeiter die ihren Job als Berufung sehen, leiden oft darunter weil sie sich besonders stark mit dem Unternehmen identifiziert haben. Man stellt sich vor, man geht ein Jahrzehnt täglich seiner Arbeit nach. Versteht sich mit den Kollegen – fast schon eine Art zweite Familie - und hält dann plötzlich die Kündigung aus betriebswirtschaftlichen Gründen in der Hand.

Wandel verstehen


Nichts in dieser Welt hat Bestand. Alles wandelt sich und somit auch das womit wir glauben uns zu identifizieren. Wir sind nicht ewig jung. Eine Familie kann auseinander gehen. Wenn ich mich mit einer Sportart brüste, kann ich dieser eines Tages nicht mehr nachgehen. Ich bin dann kein Snowboarder, Bergsteiger, Fußballer mehr.

Veränderung findet stets statt und manchmal auch auf sehr einschneidende Weise, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, unsere Gesundheit oder unsere Arbeit. Wir sollten daher nicht unsere Anhaftung, unser Wunschdenken und Widerstände gegen das tatsächlich stattfindende kultivieren, sondern unser Bewusstsein, dass wir in einem Prozess des Wandels leben – den wir alleine nur begrenzt beeinflussen können. Je mehr wir das Leid in unseren Gedanken nähren, um so mehr verpassen wir die Möglichkeit mit dem Leben zu gehen und vergeuden unsere Kraft um alltägliche Chancen zu ergreifen.

Wie wir uns sehen


„Jeder von uns ist mehrere, ist viele, ist ein Übermaß an Selbsten. Deshalb ist, wer die Umgebung verachtet, nicht derselbe, der sich an ihr erfreut oder unter ihr leidet. In der weitläufigen Kolonie unseres Seins gibt es Leute von mancherlei Art, die auf unterschiedliche Weise denken und fühlen.“

Fernando Pesso

Der portugiesische Schriftsteller Fernando Pesso bringt unsere menschliche Innenwelt gut auf den Punkt. Dennoch glauben wir, unser Standpunkt und unsere Perspektive entsprächen der Wahrheit. Wie flüchtig unser Charakter ist, können wir uns gut mit folgendem Bild vorstellen. Wenn wir z. Bsp. an einem schönen, sonnigen Mittag unter der Woche auf einer Parkbank sitzen, weil wir einige Urlaubstage haben, genießen wir das Wetter. Erfreuen uns am Vogelgezwitscher und den spielenden Kindern. Wenn Passanten vorbeikommen, grüßen wir sie vielleicht freundlich oder schenken ihnen ein Lächeln. Nehmen wir die gleiche Situation, haben jedoch unseren Arbeitsplatz verloren oder sind in einer melancholischen Stimmung, dann werden wir gar nicht, oder kaum, die Vögle wahrnehmen. Die Passanten, die an uns vorbeikommen denken sicherlich, dass mit uns etwas nicht stimmt. Wer sitzt den schon unter der Woche auf einer Parkbank. Die Interpretation unserer Umwelt ist eine völlig andere und erzeugt in uns Leid. Das Leben stellt uns unvermeidbar immer wieder vor Schwierigkeiten. Es ist jedoch ratsam, dann nicht noch einen zweiten Pfeil auf uns zu schießen, wie es Buddha lehrte. Der erste Pfeil sind die Schwierigkeiten des Lebens. Der zweite Pfeil, sind unsere Gedanken, dass uns derlei nicht passieren sollte.

Identifikation erkennen


Um uns ein klareres Bild über unsere Identifikation zu bekommen ist es recht aufschlussreich, sich ein Blatt Papier zu nehmen und sich einmal aufzuschreiben, woraus wir unser Selbstbild beziehen. Aus unser Arbeit? Aus unserer Rolle in der Familie oder im Freundeskreis? Aus unserem Körper? Aus der Kleidung die wir tragen? usw.

Wir betrachten unsere Notizen und denken einmal darüber nach, seit wann wir uns damit identifizieren und welchen tatsächliche Wert dies für unser Selbstbild bedeutet. Durch diese Übung könne wir erkennen, wo unsere Identifikation zu stark ist und wir bei aufkommenden Schwierigkeiten in den Zustand von Leid geraden könnten.

Fünf Punkte um wieder in seine Kraft zu kommen

  • Tagesablauf gestallten – und auch einhalten.

  • Selbstdisziplin

  • Geduld

  • Ordnung halten

  • tägliche Meditation


Diese fünf Punkte sollte man mindestens 4 Wochen verfolgen und die Geisteshaltung auch in weit in seinen Alltag übertragen. Aufkommende Schwierigkeiten als Lehrer verstehen, die uns die Aufgabe stellen uns nicht all zu sehr mit Rollen zu identifizieren.

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(*es liegen zu diesem Zeitpunkt noch keine konkreten Studien zur den psychischen Auswirkungen auf Grund von Covid-19 in Deutschland vor)



Schlagwörter

#covid-19 #pandemie #arbeitslosigkeit #ängste #verzweiflung #wandel

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"Alles was Du in Deinen Kopf hineinlässt - kannst nur Du wieder hinausschmeißen."

Markus Zhou - Schneider

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