The Work of Byron Katie bei Depressionen

Aktualisiert: März 1

"Ich bin eine schlechte Mutter." Ist das wahr?

Frau König melde sich bei mir an einem Samstagnachmittag via Skype, nach dem sie zuvor telefonisch einen Termin abgeklärt hatte. In meiner Wahrnehmung erweckte sie den Eindruck, als würde sie sich dafür schämen sich bei mir zu melden. Sie ist eine junge, attraktive Frau Mitte 30 und hat ein gepflegtes Aussehen. Wie sich bei dem Gespräch herausstellt kommt sie aus einem vermögenden

Elternhaus, ist verheiratet und hat 2 Kinder im Alter von 3 und 5 Jahren. Frau König hat Medizin studiert und ihr Mann arbeitet im gehobenen Management. Sie wohnen in einer großzügigen Wohnung in Frankfurt. Noch vor einiger Zeit, flog Frau König am Wochenende mit ihren Freundinnen nach London zum shoppen. Von außen betrachtet ein Leben für einen tolles Instagram – Profil.


Aber Frau König hat ein Problem. Sie leidet an Depression. Auf meine Frage hin, ob sie sich den deswegen in Behandlung befindet, antwortet sie mit ja. Sie erzählt, dass sie bei einem Verhaltenstherapeuten in Behandlung ist und dieser ihr auch Antidepressiver verschrieben habe, damit sie ihrer Arbeit nachkommen kann.

Ich frage Frau König, welches Thema sie denn heute belastet. Sie antwortet, dass es viele Themen sind die sie belasten, aber heute sei es besonders weil sie eine schlechte Mutter sei. Ich frage Frau König warum sie sich denn für eine schlechte Mutter hält. „Weil ich Depressionen habe“, antwortet sie. „Weil Sie Depressionen haben, sind Sie eine schlechte Mutter?“, frage ich. „Ja“, antwortet Frau König. Ich unterhalte mich mit Frau König über ihre Schlussfolgerung und frage sie dann, ob ihr denn The Work von Byron Katie ein Begriff sei. Frau König hat davon schon einmal gehört, ihr ist das Verfahren aber nicht bekannt. Ich lade Frau König dazu ein das Verfahren zu versuchen.

C: „Ich bin eine schlechte Mutter, weil ich Depressionen habe“. „Ist das wahr?“

K: „Ja“.

C: „Können Sie, mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist, weil ich Depressionen habe, bin ich eine schlechte Mutter?“

K: „Nein. Ich glaube es. Ich empfinde es so. Aber wissen, kann ich es nicht mit absoluter Sicherheit. Ich weiß auch nicht, ob ich ohne Depressionen eine bessere Mutter wäre.“

C: „Wie reagieren Sie, wenn Sie diesen Gedanken glauben, weil ich Depressionen habe, bin ich eine schlechte Mutter?“

K: „Ich schäme mich. Es macht mich auch wütend, weil ich gerne eine gute Mutter wäre. Ich ziehe mich zurück und Grenze meine Kinder aus. Ich denke, was bist du nur für ein schrecklicher Mensch. Ich würde mich am liebsten im Schlafzimmer einschließen, damit meine Kinder mich nicht sehen.“

C: „Wer wären Sie ohne diesen Gedanken, weil ich Depressionen habe, bin ich eine schlechte Mutter?“

K: „Ich würde mir wahrscheinlich nicht solche Vorwürfe machen. Mich nicht so sehr dafür schämen, meinen Kindern keine gute Mutter zu sein. Nicht den ganzen Vormittag nur daheim rumsitzen und mir den Kopf darüber zerbrechen was für eine schreckliche Mutter ich bin, sondern meinen Kindern einfach eine Mutter sein. Mit ihnen auf den Spielplatz gehen. Sie beim spielen beobachten, vielleicht sogar mit ihnen spielen und Spaß haben. Soweit ich überhaupt Spaß haben kann.“

C: „Verneinen Sie den Satz. Weil ich Depressionen habe, bin ich eine schlechte Mutter“.

K: „Wie meinen Sie das? Weil ich keine Depressionen habe?“

C: „Nein, Sie haben ja Depressionen, jetzt noch. Was ich meine ist, weil ich Depressionen habe, bin ich eine gute Mutter“.

K: „Aber das stimmt doch nicht. Ich bin eine schlechte Mutter für meine Kinder, weil ich Depressionen habe.“

C: „Ist das wahr?“

K: (Frau König lächelt) „Ah, das hatten wir ja schon.“ Also: „Weil ich Depressionen habe, bin ich eine gute Mutter.“

C: „Finden Sie Momente in der Vergangenheit, in diesem Zusammenhang, die diese Aussage untermauern.“

K: „Mein Mann sagt immer, ich sei sehr feinfüllig mit den Kindern und würde sehr sensibel mit ihnen umgehen. Ich glaube, dass kommt daher, da ich meine Umwelt sehr spüre. Die Kinder sind auch das einzige, wo ich mich noch selber fühle. Und neulich hat eine Freundin zu mir gemeint, dass meine ältere Tochter sehr höflich sei.“

C: „Wie ist es, wenn Sie nun beides sehen? Weil ich Depressionen habe, bin ich eine schlechte Mutter. Weil ich Depressionen habe, bin ich eine gute Mutter.“

K: „Ja. Da ist was dran. Ich weiß ja auch nicht, ob ich ohne Depressionen eine gute oder eine schlechte Mutter wäre. Aber meine Depressionen haben gegenüber meinen Kindern nicht nur schlechte Auswirkungen. Und ich glaube meine Kinder mögen mich auch. Ich meine so wie ich bin. Wahrscheinlich wissen sie gar nicht, dass ich Depressionen habe.“ (Frau König lacht)


Bei Byron Katies The Work™ folgen nach der Verneinung die beiden Umkehrung (zu sich selbst und zum gegenüber). Bei Urteilen über uns selbst (Ich bin eine schlechte Mutter....), verzichten wir darauf. Das Gegenüber wäre sonst in diesem Fall, der innere Anteil der Frau König einredet, sie ist ein schlechte Mutter auf Grund ihrer Depression.

(Anmerkung: Name und Ort verändert)


Im letzten Jahr sind 5,3 Millionen der Menschen die in Deutschland leben an Depression erkrankt. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Betroffene die darunter leiden, gehen durch eine schwere Zeit in ihrem Leben. Oft gehen Partnerschaften auseinander und es herrscht Unverständnis im näheren Umfeld da es an Aufklärung mangelt. Der Betroffene leidet an den mit der Depression verbundenen Selbstvorwürfen, die nicht zwingend der empfundenen Wirklichkeit anderer (Kinder, Partner, Freunde etc.) entsprechen müssen. In diesem Fall war eine Überprüfung der Gedanken auf ihre Nützlichkeit sehr hilfreich. Die Klientin befindet sich weiterhin in therapeutischer Behandlung hat aber durch The Work eine einfache und hilfreiche Methode kennengelernt um die kleinen grauen Wolken, an ihrem ohnehin, noch, grauen Himmel, nicht noch zusätzliche Kraft zu geben.


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"Alles was Du in Deinen Kopf hineinlässt - kannst nur Du wieder hinausschmeißen."

Markus Zhou - Schneider

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